Quadratseite a : 10
Bei Vitruv heißt es, dass „…die Handfläche von der Handwurzel bis zur Spitze des Fingers 1/10 beträgt“.
Tatsächlich aber ist zu erkennen, dass da Vinci das nicht übernommen hat. Es wäre ein Einfaches gewesen, entlang der Rasterung zwei exakt platzierte, senkrechte Striche auf die Handwurzeln des homo ad quadratum zu zeichnen.
Die sichtbare Differenz -aber auch die leichte Schrägstellung der Linien- können nicht als kleine Nachlässigkeit da Vincis bewertet werden. Entweder war ihm die präzise Wiedergabe nach Vitruv nicht wichtig genug, oder seine eigenen Vermessungen an Menschen (Männern) haben dieser Aussage deutlich widersprochen.
Es ist der zweite Aspekt: Wir wissen -und sehen es auch direkt an unseren Mitmenschen, dass allein schon die Länge der Finger einer sehr hohen Variabilität unterliegt. Entsprechend sind auch die Handlängen für ‚Maßgaben‘ nicht zu gebrauchen. Wie später noch gezeigt wird, hat da Vinci die senkrechten Striche an den Handgelenken genau zwieschen 1/9 und 1/10 platziert. Fast so, als wollte er deutlich ansagen, dass man mit Handlängen (nach Vitruv) nicht vermaßen kann.
Die 10er-Rasterung zeigt keine nennenswerten Übereinstimmungen mit Teilen der Figur, außer, dass die zweite Horizontale von oben -mittig durch den kleinen Finger (links) des homo ad quadratum führt. (Ja, es ist der zehnte Finger, aber das wird hier eher keine Bedeutung haben.)
Wirklich interessant ist aber eine ganz andere Frage: Warum sollte da Vinci Teilstriche in die Figur einzeichen, die nur die Einteilungen in Bezug auf das Quadrat zeigen sollen? Der Informationsgrad ist doch viel zu gering, als dass man dafür diese Figur „verunziert“, oder?
Wenn es also so wichtig ist, diese Striche auf eine ansonsten so perfekte Figur einzeichnen zu müssen, dann muss es von hoher Wichtigkeit sein. Und genau das ist es auch, wie diese Analyse noch zeigen wird…
