Quadratseite a : 9
Diese Aufteilung zeigt auf den ersten Blick keinen direkten Bezug zur Figur.
Aber es gibt eine Übereinstimmung mit den beiden mittleren Senkrechten, die recht genau durch die Brustwarzen der Figur verlaufen. Dies sind Schnittpunkte, die in der ‚Hintergrundgeometrie‘ von Bedeutung sind.
Des Weiteren begrenzt die untere Horizontale nahezu exakt die Füße des homo ad circulum, so, als ob diese von unten her an diese Linie stoßen. Außerdem sieht es fast so aus, als ob Teile der Ober- und Unterarme des Homo Quadraticus auf der zweiten, oberen Horizontalen aufliegen.
Aber die 9er-Rasterung sticht aus anderen Gründen hervor: Mathematisch gesehen gibt es keine natürliche Teilung des Quadrates, die zu einem 9er-Raster führt (z. B.: 3, 6, )(, 12). Alle anderen Teiler (außer 13 und weitere Primzahlen) können jedoch geometrisch ermittelt werden.
Dann stellt sich die Frage, warum die Grundseitenlänge des Quadrates, nahezu bei heutigen 18cm (=9x2cm) liegt? Das seinerzeit noch vorherrschende Maß stammte von den alten Römern ab und war in der Renaissance immer noch, mehr oder weniger, in Gebrauch.
Nähme man also die römische Maßeinheit digitus (ein „Fingerbreit“), mit einer Länge von heutigen 1,8522cm her, dann wären dies bei einer Grundseitenlänge von 18cm -ca. 9,7 digiti. Es passt nicht und beweist damit indirekt, dass da Vinci hier nicht mit römischen Maßeinheiten gearbeitet hat.
Aber es gäbe eine schöne Erklärung dafür, warum dieses Quadrat gerade diese Breite hat -eine Hypothese: Da Vinci hat sich ganz bewusst von den üblichen Maßeinheiten abgewandt, weil sie mit der Realität nicht übereingestimmt haben. Was er dann gemacht hat, ist so logisch, wie praktikabel: Wenn der Mensch das Maß der Dinge ist, also Standardmaße grundsätzlich von ihm abgeleitet werden -weil er diese quasi immer mit sich trägt-, dann soll dies auch aus dieser Zeichnung sprechen…
Durch seine anatomischen Studien an den Händen ist ihm aufgefallen, dass die mittleren drei Finger einer (Männer-)Hand (seiner Hand…), nahezu die gleiche Dicke haben. Also nimmt er diese als Maß und setzt sie 3x nebeneinander aufs Papier: 3×3=9 -und das passt hier erstaunlich gut!
Das Besondere daran ist, dass da Vinci damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen hat: Zuerst hat er ein neues, aber anatomisch passendes Maß abgeleitet -das „Mittelfingerbreit“ von heutigen ~2 Zentimetern- und erreicht damit außerdem die Einteilung des Menschen in das gut teilbare System der Zahl 18. Die Größe eines Mannes, wie in der Figur gezeigt, würde demnach 90 „Mittelfingerbreit“ =180 (cm) betragen. Und damit passt der Mensch/Mann gleichzeitig und wunderbar in den Proportionskanon, den bereits die alten Ägüpter über die 18er-Rasterung angewendet haben. Es könnte dahingehend quasi die Abkehr vom System der römischen Maßeinheiten sein.
Dies ist eine Hypothese -aber sie liegt sehr nah am Menschen und passt sehr gut in den Kontext und zur Aussage dieses Werkes.
