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Die Spreizung der Beine des homo ad circulum

Eine der schwierigeren Fragen, die es zu beantworten galt, war, welcher Regel der Spreizwinkel der Beine unterliegt?

Nach Vitruv heißt es: „Der Raum, der sich zwischen den Beinen befindet, soll ein gleichseitiges Dreieck sein“. Das entspräche einem Winkel je Ecke von 60°.

Leonardo da Vinci hat die Spreizung der Beine jedoch nicht nach diesem Kriterium vorgenommen. Das rechte Bein der Figur ist deutlich weiter von der Mittelsenkrechten aus abgespreizt (29°), als das linke Bein (25°). Die exakte Mittellinie jedes der Beine festzulegen, gelingt übrigens nur mit dem Kantenblick über das Papier hinweg.

Das Ergebnis zeigt die geometrischen Zusammenhänge und die präzise gesetzten Schnittpunkte sehr schön. Insbesondere das Lot (90°) auf die Achslage der Beine zeigt, dass die Verlängerung exakt durch den Schnittpunkt von Kreis und Quadrat auf der oberen Grundseite des Quadrates verläuft.

Die Vermessung ergibt eindeutig, dass die Spreizung der Beine einer vorgeschalteten Geometrie unterliegt, in welcher der Goldene Schnitt zu finden ist. Denn der Spreizwinkel der Beine beträgt 54° -und das ist die Gradzahl des Innenwinkels eines regulären 5-Ecks =Pentagon. Pentagon und Pentagramm bestehen durchgehend aus der Mathematik des Goldenen Schnitts.

Das wäre eine plausible Erklärung dafür, dass da Vinci die Vorgabe Vitruvs (60°) bewusst nicht übernommen hat. Vielmehr zeigt der 54°-Winkel an, dass Mensch und Geometrie tatsächlich über den Goldenen Schnitt miteinander verbunden sind.