Das Original (Blatt Papier) hat eine Größe von ca. 34,4 x 24,5cm. Eine präzise Angabe der Seitenlänge des Quadrates, oder des Durchmessers des Kreises waren nirgends zu finden. (…). Anfragen an die Galleria dell’Accademia, nach einem modernen (Präzisions-) Scan dieses Bildes oder eines unbearbeiteten Digitals davon, wurden nicht beantwortet.
Bisher wird angenommen, dass der Kreis zuerst eingezeichnet wurde. Danach das Quadrat, dann die Figur und zuletzt die Maßskala. Das Blatt ist durch 12 Zirkeleinstiche perforiert. 1784 erfolgte der erste Druck des Bildes. 1939 erlangte es im Zuge einer Kunststausstellung in Mailand weltweites Aufsehen.
Die Figur kann mit ihren Gliedmaßen theoretisch 16 Positionsvarianten einnehmen. Obwohl sie nach Vitruv, dem bekannten Architekten der Antike benannt ist, übernimmt Leonardo da Vinci nur 10 der 22 Maße, die Vitruv in seinem Proportionskanon vorgibt. Von diesen 10 verändert er sogar noch zwei…
„Einfachheit ist die höchste Form der Vollendung“
(Leonardo da Vinci zugeschrieben)
Einführung
Historisch betrachtet, trägt jedes dargestellte Objekt der Kunst und Malerei eine „innere Sprache“ in sich – überträgt und vermittelt eine Aussage an den Betrachter. Maler und Künstler haben nicht einfach etwas angefertigt, sondern jedes Detail und seine Bedeutung bewusst eingebracht. Sei es die Mimik, die Gestik, die Blickrichtung, Datails der Kleidung, Accessoires an Personen oder im Gesamtbild etc., -nichts ist willkürlich platziert worden. Jedes Detail sagt also etwas aus.
So ist es auch bei dieser Zeichnung da Vincis. Vordergründig ist es eine schlichte, einfarbige Darstellung eines Mannes innerhalb einer Geometie. Die Aussage ist: „Mensch und Geometrie passen gut zusammen“. Erst die nähere -und vor allem sehr viel längere- Betrachtung dieses Bildes von da Vinci, ruft eine Menge an Fragen hervor: „Was ist die Aussage? Wieso passt das so gut zusammen? Welchen Durchmesser hat der Kreis? Warum eine Skala? Wieso Striche auf der Figur? Ohne Striche und Maßleiste sähe diese Zeichnung doch erst perfekt aus, oder!?
Unwillkürlich möchte man Zirkel, Geodreieck und einen Taschenrechner zur Hand nehmen, um die Geometrie und die Mathematik dieser Zeichnung zu ergründen. Dies endet schließlich in einem Durcheinander von allerlei möglichen Konstruktionen -und man weiß nie, ob man auf dem richtigen Weg ist. Denn wie soll man nach über 500 Jahren das erkennen, was da Vinci bei der Anfertigung dieser Zeichnung im Sinn gehabt hat: Den Goldenen Schnitt? Die Quadratur des Kreises? Oder gar eine allgemeingültige Maßeinheit? Letztendlich muss man das, was man aus dieser Zeichnung herausliest und herausarbeitet -beweisen können. Und das ist die gestellte Aufgabe dieser Arbeit.
Dazu muss man ein Gespür für Details entwickeln und deren Relevanz bewerten. Eher unauffällig zeigen sich beispielsweise die Hände und die Finger. Tatsächlich aber sprechen sie eine eigene Sprache -deuten auf etwas hin und sind so platziert, dass nahezu jeder Finger quasi ein „Fingerzeig“ ist. Seit der Antike gab es innerhalb der Kulturen, des Handels der Berufe und der Kommunikation allgemein und untereinander sog. Fingersprachen.
Das Quadrat hat eine Eigenheit, die bei Linkshändern, die rechts beginnen anzuzeichnen, eigentlich nicht vorkommt: Die obere Seite des Quadrates beginnt schief!? Zeichenfehler, Papierverzug, oder bewusst so gezeichnet? Die Augen haben einen fast unheimlichen, durchbohrenden Blick -so, als wollten sie sagen: „Schau genau hin!“, „Schau mich genau an!“ Und warum verdeckt der große Zeh ausgerechnet den wichtigsten, geometrischen Punkt dieser Zeichnung?
Der linke, quergestellte Fuß der Figur, stellt den Historikern zufolge, eine Maßeinheit dar. Das ist es aber nicht! Man kann beweisen, dass es tatsächlich der Hinweisgeber für den Goldenen Schnitt ist, der hier in dieser Zeichnung einen ganz wichtigen, geometrischen Sachverhalt zeigt. Die dort verortete Maßeinheit von 1/7a, passt überdies proportional einfach nicht zur gezeigten Mannsgröße…
Da Vinci besaß eine unfassbare Präzision in den Dingen, die er machte. So auch bei dieser Zeichnung. Alles, was der Betrachter intuitiv als „auffällig“ erblickt, ist von da Vinci bewusst so eingezeichnet worden, ist ein Hinweis, hat einen Grund. Finden wir das heraus.
