Leonardo daVinci

Das Rastern des Quadrates -die Hände 

Mehr oder weniger jedes Detail in dieser Zeichnung hat eine Bedeutung oder weist auf etwas hin. Leonardo da Vinci hat nichts einfach so eingezeichnet. Insbesondere die Hände und die Finger sind interessant -sie scheinen regelrecht zu „sprechen“.

So berühren beide Daumen des homo ad quadratum exakt die Senkrechte (28), die weiter oben präzise durch den Schnittpunkt zwischen Kreisbogen und Quadrat verläuft -dort, wo die Mittelfinger des homo ad circulum diesen Schnittpunkt treffen. Damit zeigt und weist da Vinci darauf hin, dass die Rasterung des Quadrates in 28 Segmente (4×7), die Grundlage dieser Zeichnung ist. Daraus ergibt sich schließlich der Durchmesser des Kreises und weiterhin das Größenverhältnis beider Geometrien zueinander.

Betrachtet man die horizontalen (roten) Linien, die über die Hände des Homo ad Quadratum verlaufen, dann fällt auf, dass der rechte Zeigefinger der Figur exakt mittig und parallel zur 13er-Rasterung eingezeichnet wurde. Ähnlich ist es bei der 6er und 12er-Rasterung und dem Mittelfinger der rechten Hand sowie bei der 11er-Rasterung und dem Mittelfinger der linken Hand der Figur. Aber -sie gehen eben nicht exakt durch die jeweilige Fingerspitze! Also muss man nun herausfinden, weshalb die Berührungspunkte leicht darunter (links 6+12) sowie leicht darüber (rechts 11) liegen. Im Verlauf dieser Ausarbeitung wird der Zusammenhang offenbar.

Über die Rasterung des Quadrates ist auch recht eindeutig zu erkennen, dass sich da Vinci bei der Länge der Hände nicht an die 1/10-Vorgabe von Vitruv hält. Der Abstand zu seiner, senkrecht über das Handgelenk führenden Linie, ist einfach zu groß, als dass man dies als zeichnerische Ungenauigkeit einstufen könnte. Tatsächlich sind diese kurzen Linien an den Handgelenken schräg! verlaufend. Sie gehören zu einer Variante der Quadratur, wie später noch gezeigt wird.

Nun wird man sagen, dass das Rastern eines Quadrates in solch kleine Abstände wahrscheinlich etwas weit hergeholt ist. Hierzu muss man allerdings wissen, dass das Rastern in gleichgroße Abstände die einzige Möglichkeit war, ein Maß zu definieren, eben weil es bis dato keine exakt abgeleitete Maßeinheit gab. Die Herstellung eines solchen Rasterrahmens war sicher eine Herausforderung zur damaligen Zeit. Aber die Menschen und speziell die Handwerker waren klug und konnten mit den gegebenen Mitteln Hervorragendes schaffen. Solch ein Präzisionsrahmen war entweder mit langem, feinem Frauenhaar, oder mit dem Schweifhaar von Pferden bespannt…

Maßgeblich in diesem Zusammenhang ist die mathematische Bedeutung der Zahl 28: Sie ist die einzige vollkommene Zahl zwischen 10 und 100. Solch vollkommene Zahlen kommen sehr selten vor. Bedeutend in diesem Kontext auch deshalb, weil in ihr die Zahl 7 steckt, die gemeinsam mit der 28 das Grundgerüst dieser Zeichnung da Vincis bildet.