Leonardo daVinci

Das „Fuß“-Problem

Gibt die Länge des linken Fußes des homo ad quadratum eine Maßeinheit an?

Tatsächlich weiß man bis heute nicht genau, welche Maßeinheit dieser Zeichnung zugrunde liegt -obwohl sich unterhalb der Zeichnung eine Skala befindet. Man nimmt an, dass die Einteilung auf der alten römischen Maßeinheit „Fuß“ basiert und da Vinci auch deshalb den linken Fuß der Figur zur „Maßnahme“ quergestellt eingezeichnet hat. Quergestellt ja, aber die Ferse berührt die Mittesenkrechte gar nicht!? Für eine Maßeinheit wäre das aber zwingend erforderlich. Es passt also hinten und vorne nicht…

Eine römische Fußlänge beträgt heutige 29,63cm.

Die historischen Vorgaben sehen wie folgt aus:

Römisches Maß (753 v. Chr. bis 476 n. Chr.): pes für Fuß, beträgt abgesichert, heutige 29,63cm.

Vitruv (65 bis 10 v. Chr) sagt: „Der Fuß hat ein Sechstel der Größe des Menschen“.  (1/6 von 170cm = 28,3cm)

Da Vinci (15. Jh.) zeichnet einen Fuß ein, der (knapp) ein Siebtel der Größe seiner eingezeichneten Figur entspricht:  1/7 von 180cm = 25,714cm

Wie man sieht, passt hier etwas nicht so recht zusammen!

Heutzutage hat ein Mann mit einer Fußlänge von 29 cm, die EU-Schuhgröße* 45. Davon abgeleitet bedeutet dies:

Da Vinci: Der linke Fuß des homo ad quadratum hätte eine heutige EU-Schuhgröße von 40,5 und ist damit für einen Mann, entsprechend der Figur in der Zeichnung, mit 1,80m Größe -zu klein! Also hätte der Fuß dort tatsächlich größer eingezeichnet werden müssen…

Der römische „Fuß“ mit 29,63cm, würde einer heutigen Schuhgröße von ca. 47! entsprechen. Das ist für die durchschnittliche Größe eines Mannes zur Römerzeit (ca. 1,70m) viel zu groß (170:29,63=5,7  …also kleiner als 1/6).

Vitruvs Vorgabe würde für einen Mann von unter 1,70m Körpergröße passen. (170:6=28,3cm -Schuhgröße 44)

Was könnte daraus abgeleitet werden?

Eine plausible Erklärung: Man muss heute davon ausgehen, dass das römische Maß „Fuß“ generell nicht der (männlichen) Fußlänge entsprach. Vielmehr ist davon auszugehen, dass es, wie seit der Antike üblich, Messstäbe an öffentlichen Gebäuden gab, die als Maßeinheit des jeweiligen Hoheitsgebietes galten. Praktisch gesehen aber waren die Füße von Menschen das naheliegende „Messwerkzeug“, um Dinge über den Boden hinweg auszumessen. (Heute: „Gänsefüßchen“) Das ging schnell und ohne weitere Hilfsmittel, innerhalb und außerhalb des Hauses. Eine (männliche) Fußlänge war für das erste, grobe Ausmessen zunächst ausreichend und sie war überdies zur Länge eines damaligen Messstabes -ähnlich lang.

Für diese Zeichnung bedeutet dies, dass der quergestellte Fuß keine Längeneinheit darstellen kann. Aber warum ist er dann quergestellt?

Der Grund ist, dass die Spitze des großen Zehs tatsächlich -und dabei sehr exakt, auf die senkrechte Trennlinie zwischen Φ-Major und Φ-Minor des Goldenen Schnitts des Kreises zeigt! In der weiteren Analyse und den Ausführungen zur Rasterung des Quadrates, wird dieses Faktum ausführlich hergeleitet.

*Der Autor hat im Zuge dieser Arbeit versucht, die Schuhgrößenangaben innerhalb der EU systematisch aufzubereiten mit dem Ziel, diese zum Vergleich tabellarisch darzustellen. Es ist ein hoffnungsloses Unterfangen. Irgendwie hat jedes Land gewohnheitsmäßig ganz eigene Vorstellungen davon, wie lang der landestypische Fuß ist und welche Größenordnung diesem zugrunde gelegt wird.

 

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Achilles Iatropoulos

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