Einteilung der Figur nach Vitruv
Die Einteilung der Figur wird üblicher Weise aus den den Teilern des Quadrates abgeleitet.
Leonardo da Vinci bezieht sich in seinem Text über und unter der Zeichnung auf die Vorgaben Vitruvs. Im Prinzip passt es auch einigermaßen zu den Strichen und Linien, die er auf die Figur des Homo ad quadratum eingezeichnet hat. Vergleicht man jedoch die Angaben Vitruvs mit den Einzeichnungen da Vincis genau, dann stimmen tatsächlich nur 18 von 22 Angaben überein. Mehr oder weniger.
Das ist das vordergründige Bild und die einfache Erklärung für diese Striche auf der Figur. Denn es ist offensichtlich, dass diese Striche nicht exakt platziert sind und darüber hinaus auch nicht im rechten Winkel zu den Quadratseiten stehen. Es impliziert die Annahme, dass da Vinci nicht so genau „gerade“ zeichnen konnte, oder mit seinen Zeichenutensilien diese Striche nicht exakt parallelisieren konnte.
Genau genommen stimmt aber kaum eine der Einteilungen in Bezug auf das Quadrat: Die Hände sind weder 1/10 noch 1/9 lang, die Unterarme nicht 1/8, die Oberarme nicht 1/7 und der Abstand zwischen den beiden Schulterstrichen beträgt nicht 1/4 der Quadratseitenlänge. Die beiden Linien unterhalb der Knie stehen schräg versetzt, die Brustlinie ist länger, als 1/5 und der quergestellte Fuß misst nicht 1/7.
Das alles widerspricht der unfassbaren Präzision, für die da Vinci bekannt ist und mit welcher er auch diese Figur gezeichnet hat. Die Figur ist bis ins kleinste Detail hinein und mit Tusche so fehlerfrei und ausgereift gezeichnet worden, dass sie fast lebendig erscheint. Die Augen schauen den Betrachter aus jeder Position an, die Proportionen stimmen exakt und die physiologischen wie physiognomischen Merkmale sind perfekt wiedergegeben. Und dann schräge Linien?
Ja! Denn tatsächlich haben sie allesamt eine andere Bedeutung. Eine Bedeutung, die auf den folgenden Seiten nach und nach aufgeschlüsselt wird. Sogar die Oberseite des Quadrates, die ab der Scheitelmitte nach rechts hin tiefer liegt, ist nicht aus Versehen, sondern absichtlich so eingezeichnet worden. Da Vinci war Linkshänder. Sie beginnen üblicher Weise rechts mit dem Anzeichnen und ein Abweichen einer Geraden wird tendenziell zum Ende der Linie hin passieren -hier also in Richtung der linken Ecke…
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