Leonardo daVinci

Quelle: Gerard Denizeau Das große Leonardo da Vinci Buch (Larousse, 2016)

Kuppeln und Türme sakraler Bauten

Diese Zeichnungen stammen von Leonardo da Vinci. Der Detailreichtum und die korrekte perspektivische Darstellung sind faszinierend. Diese Skizze ist mit unkorrigierbarer Tinte und einfach so aus der Hand gezeichnet worden!

Um aber einmal einen kleinen Eindruck darüber zu erhalten, wie in früheren Zeiten womöglich monumentale Bauprojekte zustande gekommen sind, hier eine Skizzierung:

„Baut mir ein Haus Gottes mit einer Kuppel, die 100 Ellen durchmisst.“                                            (100 röm. Ellen =heutige 44,4 Meter)

Beispiele solcher Kuppelbauten: Pantheon in Rom (125n. Chr.) 43,3m =97 röm. Ellen; Dom in  Florenz (1434) 43-45m  =97-101 röm. Ellen; Petersdom im Vatikan (1593) 42,34m =95 röm. Ellen

„Baut mir ein Haus Gottes mit Türmen, die so hoch sind, wie das Jahr Tage hat.“           (365 röm. Ellen =heutige 162 Meter  /  =100x der Goldene Schnitt

Beispiele solcher Türme: Kölner Dom 157m =354 röm Ellen; Ulmer Münster 161m =363 röm. Ellen; Notre Dame de la Paix 158m =356 röm. Ellen

Die römische Elle (heutige ca. 44,4cm) war über viele Jahrhunderte hinweg das Standard-Längenmaß im europäischen Raum. Auch nachdem das römische Reich um 476 n.Chr. zerfiel, nutze man dieses Maß noch über mehr als ein Jahrtausend hinweg als Richtschnur. Einmal etablierte Maßeinheiten gehen nur schwer aus den Köpfen, auch deshalb, weil eine alternative Maßeinheit tatsächlich nur durch deutliche Verbesserung oder Erleichterung angenommen wird.

Nun, es ist schon auffällig, dass die großen, sakralen Kuppelbauten südlich der Alpen einen Kuppeldurchmesser zwischen 42-45 Metern haben. Nördlich der Alpen hingegen, haben nicht Kuppeln die Sakralbauten charakterisiert, sondern spitze, hohe Türme. Diese haben eine Höhe zwischen 157-161 Metern.
Es muss davon ausgegangen werden, dass in den Jahrzehnten, bis Jahrhunderten der Bauzeit solcher Monumente, weder der endgültige Durchmesser von Kuppeln, noch die exakte Höhe von Kirchtürmen dieses Ausmaßes, exakt realisiert werden konnten.

Heutzutage werden die Kuppeldurchmesser mittels Lasertechnik vermessen. Jedoch kann durch die tragenden, massiven und meterdicken Mauern, ein Kuppeldurchmesser auch damit nicht exakt ermittelt werden. Ausgegeben werden auch hierbei nur gemittelte Werte.

Warum nun haben diese prestigeträchtigen Ewigkeitsbauten diese Dimensionen? Man kann sich gut vorstellen, wie so etwas in früheren Zeiten abgelaufen ist: Kirchenfürsten, Landesherren oder gekrönte Häupter haben ihre Vorstellungen an die Baumeister herangetragen. Neben den Fähigkeiten dieser frühen ‚Architekten‘, limitierten die Art der Baumaterialien und die technischen Möglichkeiten der jeweiligen Epoche die Wünsche der Oberhäupter somit auf ein realistisches Maß.

Das „Verhandlungsergebnis“:
Südlich der Alpen: „Baut mir/uns ein Haus Gottes mit einer Kuppel von 100 Ellen Durchmesser“.   (ca. 44m)
Nördlich der Alpen: „Baut mir/uns ein Gotteshaus was so viele Ellen hoch ist, wie das Jahr Tage hat“.   (ca. 162m)

So wird es wohl -mehr oder weniger- gewesen sein.