Leonardo daVinci

Leonardo da Vinci – Kurzportrait

Heute sprechen wir von Leonardo da Vinci, der aber mit bürgerlichem Namen Lionardo di ser Piero -aus Vinci (Toskana) hieß. Er gilt zu Recht als das Universalgenie schlechthin. Dank seiner Aufzeichnungen haben wir das große Glück, einen Menschen kennenzulernen, der vor über 500 Jahren unvorstellbare Dinge vollbracht hat, die in ihrem wissenschaftlichen Umfang und in ihrer Vollkommenheit bis in die heutige Zeit für Erstaunen sorgen.

Zwei seiner Werke aber sind so herausragend, dass sie bis heute die Menschen auf der ganzen Welt faszinieren: Sein Gemälde „Mona Lisa“ (1503-1506; Louvre, Paris) und seine Zeichnung „Der Vitruvianische Mensch“ (ca. 1490; Galleria dell‘ Accademia, Venedig).

Die hier nun vorliegende Ausarbeitung ist eine umfassende Analyse der Zeichnung des Vitruvianischen Menschen. Insbesondere zwei Notizen von da Vinci stehen hierbei im Fokus:

1.  „Einfachheit ist die höchst Stufe der Vollendung“.

Diese Erkenntnis da Vincis fußt auf seinen jahrzehntelangen Beobachtungen in der Natur. Diese reduziert und konzentriert grundsätzlich alles auf den überlebensnotwendigen Zweck.*

Mit dieser Aussage (…die ihm zugeschrieben wird!) ist aber auch gemeint, dass ein vom Menschen geschaffenes (Kunst-) Werk erst dann perfekt ist, wenn es auf seine einfachste und klarste Form reduziert wurde -um gerade dadurch seine größte Wirkung zu erzielen. Dies ist auch das Kernprinzip seiner Zeichnung des ‚Vitruvianischen Menschen‘.

2. „In der Nacht von Sankt Andreas fand ich das Ende der Quadratur des Kreises, und zu Ende war das Licht und die Nacht und das Papier, auf das ich schrieb, und zu Ende die Stunde.“          (Codex Madrid II, 1125)

St. Andreas ist hier die Nacht vom 29. auf den 30. November 1504.

Unterschiedlichen Quellen zu Folge, stammt diese Zeichnung aus den Jahren 1490-1492. Da Vincis Aussage zur Quadratur ist allerdings -und abgesichert, auf das Jahr 1504 datiert, also ca. 12-14 Jahre später. Es gibt bisher fünf direkte Aussagen da Vincis zur Quadratur des Kreises. Sie alle hat er niedergeschrieben zwischen 1503 und 1515. Betrachten wir in diesem Kontext also diese 13 vollen Jahre als die „Kernzeit“ seiner Auseinandersetzung mit der Quadratur des Kreises, dann ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass er den Vitruvianischen Menschen innerhalb dieses Zeitraumes vollendet haben muss. Auszuschließen ist dabei aber nicht, dass er auch nach 1504 weiterhin nach besseren Varianten zur Quadratur gesucht hat.

Wenn da Vinci mit dieser Aussage aus Codex Madrid II tatsächlich die zeichnerisch hergeleitete Geometrie zur Quadratur meinte, dann stellt sich also  die Frage, warum er das erst so viele Jahre nach Fertigstellung des Vitruvianischen Menschen notiert hat?

Dazu gibt es im Prinzip nur eine plausible Erklärung: Diese Zeichnung ist erst angefertigt worden, nachdem sämtliche Berechnungen zu Ende gebracht waren. Diese Berechnungen waren kompliziert und brauchten aufgrund der Berechnungseinschränkungen zur damaligen Zeit -Tage-, Wochen, ja, wahrscheinlich monatelang. Hinzu kommt, dass die Kreiszahl π** seinerzeit nur bis zur zweiten Nachkommastelle in Europa bekannt war. Das macht jede Berechnung unvollständig und man musste daher die Beweisführung über Umwege finden. Genau so hat es da Vinci dann auch gemacht, wie wir sehen werden.

Was ein Genie bzw. Allroundgenie ausmacht, kann man erst begreifen, wenn man die Aussage da Vincis zur Evolution sieht. Sie stammt aus dem Jahr 1510 und sie beschreibt das, was die Grundlage allen Lebens auf dieser Welt ist. Selbst heutige Wissenschaftler sind erstaunt, wie präzise Leonardo da Vinci vor über 500 Jahren diese Aussage formuliert hat:

* „In der Natur wird jede Handlung in kürzester Zeit ausgeführt, wobei der aktuelle Zustand in den nächsten aktualisierten Zustand überführt wird“.
(Ogni atto naturale è fatto dall‘ attuale nell‘ attuato nel più brieve tempo che far si possa“.)                                                     (Codex Leicester, 29v)

**Die Annahme ist nicht unberechtigt, dass der Bruch: 22/7 bei Gelehrten so lange als das korrekte π angesehen wurde, bis im 16. Jh. bewiesen werden konnte, dass dieser Bruch tatsächlich nicht π darstellt. Für diese Zeichnung bedeutet das, dass eine heutige Beweisführung nicht mit mathematischer „Strenge“ beurteilt werden darf.