Die Einteilung der Maßleiste (1)
In der Fachliteratur zu dieser Zeichnung ist der Abstand der Teilstriche mit 7,5mm angegeben. Das ergibt sich aus der Festlegung heraus, dass es dem 24. Teil der Quadratseitenlänge entspricht: 18cm/24 =0,75cm. Dabei entlehnt man die 24 aus dem Maßkanon des Römischen Reiches, bei dem eine „Elle“ heutigen 44,4 Zentimetern entspricht und ein „Fuß“: 29,6 Zentimetern. Die kleinen Striche am Anfang und Ende der Maßleiste sollen demnach einen Abstand von 1/96 der Grundseitenlänge haben: 18cm/96 =0,1875cm. Nur, keines der Maße passt tatsächlich zu den vermuteten Abständen der Teilstriche! Die Maßleiste ist demnach kein Ergebnis aus der Multiplikation einer römischen Maßeinheit…man weiß also gar nicht, mit welcher Maßeinheit da Vinci hier letztendlich gearbeitet hat. War es das alte römische Maß -seinerzeit war es schon Tausend Jahre alt- oder ein lokal (Florenz, Mailand etc.) gültiges Maß?
Leider ist es nahezu unmöglich, über die Galleria dell´Accademia in Venedig eine Information darüber zu bekommen, ob es inzwischen ein modernes Scan von diesem Bild gibt, geschweige denn, eine Antwort darauf, welche metrologische Länge denn wenigstens die Grundseitenlänge des Originals hat?
Aber man kann die Quadratseitenlänge recht gut durch Berechnungen bestimmen, indem man das angegebene Papiermaß zu Grunde legt. Daraus ergibt sich eine Quadratseitenlänge von knapp 18cm Zentimetern.
Dazu gibt es eine recht einleuchtende und nicht ganz unbegündete Vermutung: Leonardo da Vinci hat einfach die (seine) drei mittleren Finger der Hand hergenommen, um die Quadratseitenlänge festzulegen. Warum aber, sollte er das tun? Weil genau diese drei Finger tatsächlich die gleiche Breite haben! Setzt man diese drei Finger -eng zusammengehalten- drei Mal nebeneinander auf eine Linie, dann erhält man mit 3x3x2(cm) =18, recht genau die Größe des Quadrates. Und mit 10 multipliziert, ergibt das in Natura die Körpergröße eines (stattlichen) Mannes mit 180cm =90 „Fingerbreit“.
Warum sollte er selbst, da Vinci, nicht -wenn schon der Mensch (…im Sinne der Renaissance) das Maß der Dinge sein- bzw. bleiben sollte- eine neue, natürlich abgeleitete Maßeinheit festlegen? Und zwar eine, die weitaus näher am Menschen liegt, als der bisherige, römische Digitus (heute 1,8522cm).
Man kann es einmal selbst prüfen: Die drei mittleren Finger einer (ausgewachsenen, männlichen) Hand sind nahezu gleich breit…und sie ergeben gemeinsam eine gemessene Breite von -mehr, oder weniger- sechs Zentimetern…
