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Der Goldene Schnitt im Kreis (3)

In der Bildanalyse braucht es stichfeste Beweise für das, was ermittelt, gesagt, und gezeigt ist.

Hier nun zeigt sich sehr deutlich, dass da Vinci den Goldenen Schnitt als tragendes Element in diese Zeichnung hineingebracht hat -und dies dem Betrachter auch anzeigt. Quasi als Nebenprodukt beantwortet sich dadurch auch eine der schwierigeren Fragen in diesem Kontext, nämlich die Krux mit der Fußgröße.

Die Problematik ergibt sich aus dem Konflikt zwischen der Angabe von Vitruv, dass die Fußlänge 1/6 der Körpergröße sei und der von da Vinci eingezeichneten Fußlänge des linken, quergestellten Fußes der Figur, dessen Länge als Teil der römische Maßeinheit pedes (=29,6cm) –mit 1/7 in der Literatur angegeben ist.*

Grundsätzlich kann man nicht von der Körpergröße eines Menschen auf dessen Fußlänge/Schuhgröße rückschließen. Das wusste auch da Vinci, denn er hat viele Vermessungen am Menschen vorgenommen. Also war ihm dieser direkte Bezug zur Proportionalität eher unwichtig. Zumal er im Text unterhalb der Zeichnung der Vorgabe Vitruvs widerspricht, indem er dort kurzum die 1/7 einschreibt.

Aber auf dem Bild ist jetzt gut zu erkennen, warum der von da Vinci eingezeichnete Fuß diese (verkürzte) Länge hat: Es ist der Hinweis auf die Verwendung des Goldenen Schnitts im Kreis -und zwar sehr exakt eingezeichnet über die Platzierung der Zehspitze. Im Grunde ist es die „Aufforderung“, den Goldenen Schnitt als prägenden Bestandteil dieser Zeichnung und zur Aufschlüsselung dieser Geometrie zu verstehen. Und genau das ist es schließlich, denn diese Siebtelung der Quadratseite hat große Bedeutung im Gesamtkontext dieser Zeichnung.

*Der Konflikt: Die Figur mit 1,80m Höhe zeigt hier eine Fußlänge von 180/7= 25,71cm. Der Fuß ist damit im Verhältnis zur typischen Körpergröße -zu klein! Nach Vitruv betrüge die Fußlänge 180/6=30cm. Das ist aber zu groß!  (zum Vgl.: Schuhgröße EU-47 entspricht ca. 30cm) Nun, zu Zeiten Vitruvs hatten die Männer allerdings eine durchschnittliche Körpergröße von unter 1,70m. Das war zu da Vincis Zeiten, ca. 1500 Jahre nach der Angabe Vitruvs, noch nicht wesentlich anders. So gesehen hatte Vitruv im Prinzip recht, denn bei 170/6=28,33cm wäre dies eine heutige EU-Schuhgröße von 43-44. Oder anders gesagt: Wäre die römische Maßeinheit „Fuß“, mit heutigen 29,6cm, 1/7 der Körpergröße, dann hätte der Mann/die Figur eine Körpergröße von über 2,07 Metern!

Da Vinci hatte also das Problem, dass die Fußlänge weder bei 1/7, noch bei 1/6 proportional gepasst hätte. Stattdessen manifestiert er mit der Zehspitze die immerwährende Maßeinheit des Goldenen Schnitts innerhalb eines Kreises…

Zum Vergleich: Auch bei der Länge der Hände setzt da Vinci den senkrechten Strich an den Handwurzeln bewusst zwischen 1/9 und 1/10. damit widerspricht er indirekt der Vorgabe von Vitruv.